Taufe des Herrn: Gott hat sich für mich entschieden

Am 10.Januar feiern wir das Fest Taufe des Herrn. Als Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde, da öffnete sich der Himmel, es kam der Heilige Geist herab und eine Stimme sprach vom Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (vgl. Lk 3,21-22). Die Erinnerung an die Taufe Jesu weist auf die Bedeutung unserer Taufe hin. Die meisten von uns sind als Kinder getauft worden. Das hat einen tiefen Sinn. Bevor ich mich irgendwie für Gott entschieden habe, entscheidet sich Gott für mich. Diese Entscheidung Gottes für mich, schenkt mir eine einzigartige Identität. Es schenkt mir die Freiheit zu sein, nämlich so, wie ich bin. Das ist nicht selbstverständlich. Wo können wir wirklich heute noch sein, so wie wir sind? Wo werden wir zum Beispiel nicht nur nach unseren Eigenschaften und nach unserem Können beurteilt und geliebt, sondern ganz angenommen mit unseren Stärken und Schwächen?
Gott entscheidet sich nicht für mich, weil ich irgendeine grossartige Leistung vollbracht oder irgendwelche guten moralischen Vorschriften befolgt hätte. Gott sagt Ja zu mir, zu meinem Leben, aus Liebe, ohne Kleingedrucktes. Ich werde ein Kind Gottes, eine geliebte Tochter oder Sohn. In diesem Bild vom Kind steckt genau diese Botschaft vom ganz angenommen werden durch Gott drinnen. Ein kleines Kind freut sich zum Beispiel, das es ist, weil es die Hilfe der Eltern erfährt und diese Hilfe auch als Geschenk annimmt. Es ist unfähig all die Dinge zu tun, die seine Eltern für es tun. So darf es sich helfen lassen, es muss nicht perfekt sein. In diese Grundfreiheit möchte uns das Ja Gottes in der Taufe führen. Mein Wert und meine Würde hängt nicht von irgendwelchen Eigenschaften oder Werten ab, die ich mir selbst oder andere mir geben.
Franz von Assisi bringt es daher mit folgenden Worten auf den Punkt: „Was der Mensch vor Gott ist, das ist er und nicht mehr.“ Was für eine befreiende Aussage! Der Mensch ist von Gott voraussetzungslos zuerst geliebt, er muss sich nicht selbst erfinden. Er ist schon jemand und muss nicht erst „jemand werden“. Als Getaufte in der Beziehung zu Gott zu leben, ist befreiend. Es bedeutet Leben, ewiges Leben und Angenommensein.
Br. Maximilian Blum

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