Die Seelsorgerin der Seelsorgerin

Ich bin Seelsorgerin.
Was das genau bedeutet, bereitet nicht wenigen Kopfzerbrechen,
besonders in dieser säkularisierten Welt, in der ein Glaube an Gott oder die Seele nicht mehr selbstverständlich, sondern erklärungsbedürftig sind.
Doch egal.
Es weiss doch jeder.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Er braucht halt auch noch seelische Nahrung,
Zuwendung von anderen Menschen, Zuwendung von Gott.
Ein offenes Ohr für seine Sorgen und Nöte.
Ein Gegenüber, das wohlwollend und urteilsfrei da ist.
Wegbegleiter, die manches mit uns teilen
und uns das Gefühl geben, dass wir nicht allein sind,
die uns ein Echo geben in der grossen weiten Welt.
Einen Menschen, bei dem man sich ausruhen darf
und die Seele baumeln lassen kann.
Ja, sowas brauchen wir Menschen und die Seelsorger und Seelsorgerinnen bemühen sich unter anderem, dafür auch da zu sein.

Natürlich fragen sich jetzt wohl einige von ihnen: Wo kann denn eine Seelsorgerin ihre Seele mal baumeln zu lassen?
Und wenn man mich direkt fragt, dann gibt es da mehrere Antworten:

Gott hört mir zu, mein Partner, übrigens selbst ein Seelsorger, fängt vieles auf, Kollegen, Freundinnen und Familienmitglieder fragen auch schon mal nach, wie es denn so geht, aber – und jetzt kommt der lange Satz zu einem Ende:
Meine Seelsorgerin ist eben auch die liebe Stefanie und die Stefanie ist meine Coiffeuse.
Jawohl, sie lesen jetzt richtig.
Einmal im Monat kreiert sie für mich eine Wellnessoase.
Sie erkundigt sich mit echtem Interesse an meiner Befindlichkeit. Sie ermuntert mich, mich einfach zu entspannen, gibt mir beim Haare waschen extra lange Kopfmassagen und macht das so sanft, dass ich über allen Wolken schwebe. Erholung pur.
Zu all dem beherrscht sie ihr Handwerk und schneidet, tönt und föhnt so wunderbar, dass ich mich danach zehn Jahre jünger fühle.
Und wohl gemerkt, jetzt noch alles mit Maske und trotzdem immer freundlich und gut gelaunt.
Für mich eine Inspiration.
Sie strahlt etwas so Beruhigendes aus, dass sich alle um sie herum wohl fühlen.
Sie ist für mich eine Seelsorgerin im Verborgenen.
Und solche Menschen wie Stefanie gibt es viele.
Sie arbeiten nicht unbedingt in sozialen Berufen, haben aber ein wunderbares Gespür für die Menschen um sich herum und tun viel mehr als nur ihren Job.
Ich sage nur: Danke liebe Stefani!  Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal.
Manuela Andolina, Seelsorgerin im Pflegezentrum Witikon

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