Innenreinigung St. Anton

Momentan kann eindrücklich verfolgt werden, wie unsere Kirche St. Anton in ihrem Innern gereinigt wird. Kerzenruss, Weihrauch, menschliche Ausdünstungen und Luftverschmutzung haben eine Schmutzschicht über die gesamte Kirche, alle Gegenstände und Bilder gelegt. Die Reinigung lässt die Kirche danach nicht völlig neu erstrahlen, aber deutlich heller wird sie sein. Zudem können mit der Reinigung Risse geflickt und Bildschäden repariert werden.

Eine solche Innenreinigung täte auch uns selber immer wieder gut. Wir müssen nicht in reinstem Glanz erstrahlen, aber uns doch immer wieder mal von den Schichten befreien, die unser Leben überlagern, die Risse in unserem Leben betrachten und schauen, wie wir sie ausbessern bzw. heilen (lassen) können.

Was wir tun, denken und reden, was wir erfahren und erleben, Talente und Schwächen, Freunde und Feinde, Kultur und Nahrung, Beruf und Freizeit – alles prägt uns und macht uns aus und legen sich wie Zwiebelschalen Schicht um Schicht um uns. So kann aber auch mit der Zeit der Blick auf uns selbst ein wenig getrübt werden. Bin ich noch die Person, die ich sein möchte und sein könnte? Oder lasse ich mich zu sehr fremdbestimmen von meinem Umfeld und meinen Gewohnheiten?

“Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst” (Mt 7,12), lautet die Goldene Regel. Vermutlich gelingt es uns nicht, sie immer zu befolgen. Die Liebe, die Gott uns schenkt, schenken wir zu wenig grosszügig weiter. Hier sprechen wir von Sünde.

Gott vergibt uns unsere Sünden, wenn wir ihn darum bitten, wenn wir beten, wenn wir Gutes tun oder auch bei der Beichte. Voraussetzung ist jedoch die Einsicht in das, was in unserem Leben mangelhaft ist, und der Wunsch, neu anzufangen. Es geht dabei weniger um Schuld und Vergebung, sondern um die Heilung, die damit verbunden ist – wie bei der Innenreinigung der Kirche auch Schäden ausgebessert werden.

Fangen wir an mit der Einsicht: Welches sind denn die Schmutzschichten in den Beziehungen, die ich lebe oder die hinter mir sind? Was habe ich dazu beigetragen, dass die Beziehungen nicht mehr leuchten konnten oder ihren Glanz verloren haben? Dies gilt auch für die Beziehung zu Gott und seiner Kirche.

Erst, wenn ich einsehe und anerkenne, dass sich Schmutz in meinem Leben abgelagert hat, sich Risse und Abblätterungen eingeschlichen haben und ich nicht mehr ganz bei mir bin, kann ich sie genauer ansehen und Gott hinhalten mit der Bitte um Heilung und Vergebung. Dann werde auch ich wieder heller erstrahlen.
Pfr. Andreas Rellstab

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