20 Tage Karsamstag

Ein spiritueller Gedanke zur aktuellen Situation mit dem Corona-Virus.

Gemeinschaft ist für den christlichen Glauben zentral. Das wird uns in diesen Tagen neu bewusst. Diese christliche Herzensangelegenheit trifft unsere Eucharistiefeiern hart. Aufgrund des Virus sind wir aufgefordert zum eucharistischen Verweilen und Stillstehen. Das macht uns Mühe und wir sehnen uns nach der Eucharistie. Jedenfalls kennt die römische Liturgie ein liturgisches Verweilen und Stillstehen der Eucharistiefeier: Den Karsamstag. Die kommende Zeit verlangt ein Ausharren und Vertrauen. Das war damals bei den Aposteln so und das ist auch heute so geblieben.

Der Karsamstag ist der letzte Tag der Karwoche. Er gehört zum österlichen Triduum (Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag). Wir feiern diese Tage als einen einzigen Gottesdienst. Der Karsamstag, die Mitte des Triduums, wird auch als stiller Samstag bezeichnet. Es ist ein Tag der Schmucklosigkeit, der Entblössung, ein Tag der Wortlosigkeit und des Nullpunkts. Denn am Karsamstag, so heisst es im römischen Messbuch, verweilt die Kirche am Grab des Herrn und betrachtet sein Leiden und seinen Tod. Christinnen und Christen gedenken dabei der Grabesruhe Christi und sein Hinabsteigen in die Unterwelt (vgl. 1. Petr. 3,19).

In meiner Kindheit wurde am Karfreitag nach der Feier vom Leiden und Sterben Christi das Heilige Grab errichtet: In einer Seitenkapelle entstand das Grab Jesu mit einer Jesus-Statue. Sie zeigte den toten Körper von Jesus, der im Grabe lag. Das Grab wurde mit Kerzen und Blumen geschmückt und viele Gläubige suchten das Grab des Herrn auf um zu beten – auch in der Nacht vom Karfreitag auf den Karsamstag. Die Stille und die Trauer über den Tod Jesu prägten das stille Gebet der Gläubigen: Keine Musik, kein gesprochenes Gebet, nur Stille. Das drückte sich auch darin aus, dass am Karsamstag keine Sakramente gespendet wurden und insbesondere fanden keine Eucharistiefeiern statt. Einzige Ausnahme war die Sterbekommunion.

Der schmerzliche Abend des Karfreitags trifft mitten ins Herz. Hinzu kommen die Ungewissheit, das Gefühl von Sinnlosigkeit und die Angst der Gottesferne. Eine wahrhaft dunkle Stunde, sowohl damals für die Mutter Jesu, die Apostel und für die Jüngerinnen und Jünger Jesu als auch für die heutigen Gläubigen. Karsamstag ist nicht Ostersonntag. Karsamstag verlangt viel von uns. So wie auch die derzeitige Situation als Christinnen und Christen viel von uns verlangt – ja, das Herz unserer Liturgie: Die Eucharistiefeier. Doch haben wir den Mut am Grab Jesu zu verweilen? Nur wer diesen Mut aufbringt, kann auch Augenzeuge der Auferstehung Jesu werden und teilhaben an seinem Sieg über den Tod.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Zeit nutzen und die Kraft und den Mut haben am Grab Christi zu verweilen und mit diesem Blick auch Ihr eigenes Leben und Handeln reflektieren können. Möge Christus Ihnen dazu die Kraft schenken, sich von allem zu lösen, was Sie in Fesseln hält. So dürfen Sie Ostern als ein freies Kind Gottes feiern!

Gottes Segen und bleiben Sie gesund und solidarisch!
Vikar Mike Qerkini

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